7. November 2016
 

Neu auf dem Buchmarkt: „So bekommen Sie Ihr Drehbuch in den Griff“

Wer ernsthaft schreibt und dabei selbstkritisch bleibt kennt die Erfahrung: So gut und sorgfältig die Vorarbeiten auch waren, in der Regel machen erst Überarbeitungen ein Drehbuch richtig stark. Das gilt für alle Texte, und Hemingways apodiktisches „The first draft of everything is shit“ trifft meist ins Schwarze. Von der gegenteiligen Erfahrung, dass nämlich zu viele Überarbeitungen eine Geschichte auch verhunzen können, soll an dieser Stelle nicht die Rede sein.

Nun herrscht mittlerweile auch auf dem deutschsprachigen Buchmarkt kein Mangel an Ratgebern mehr dafür. Die Kunst ist, von den vielen Aspekten, die betrachtet, Blickwinkeln, die eingenommen und Methoden, die für eine Überarbeitung angewendet werden können die zu wählen, die dem Projekt und auch dem vorhandenen Überarbeitungs-Zeitbudget angemessen sind.

Hierbei will ein neuer, schmaler, mit 7 kurzen Kapiteln, Illustrationen und Checklisten locker gestalteter und pragmatisch gehaltener, auf Prüffragen für die stimmige emotionale Führung der Figuren und (Kino-)Filme konzentrierter Band aus dem UVK-Verlag helfen: „So bekommen Sie Ihr Drehbuch in den Griff – Wie Sie die 7 häufigsten Fehler in der Dramaturgie erkennen und vermeiden“ von Christian Mertens und Bartosz Werner. Beide Autoren sind Regie und Dramaturgie lehrende und praktizierende Regisseure und Autoren. Ihre Herangehensweise ist undogmatisch, von ihren Erfahrungen mit der Umsetzung eigener und fremder Drehbücher und der Arbeit mit Schauspielern geprägt.

Was immer funktioniert, um das Drehbuch und den daraus entstehenden Film besser zu machen, ist für sie gut. Dabei geht es eigentlich immer um „Basics“. Idealerweise sollten die bereits in den Buchentwicklungs-Vorstufen beachtet werden, um sich bei Überarbeitungen des eigentlichen Buches auf andere Probleme konzentrieren zu können: Stärkung der Kausalkette, Überprüfung der Figurenpsychologie, z.B. anhand des Konzepts der Bedürfnispyramide, die Entwicklung nachvollziehbarer und dramatischer Figurenbögen, die Bedeutung von Weigerung und Eskalationsstufen…

Es wird nicht verlangt, alle Checklisten „abzuarbeiten“, und was „besser“ ist, überlassen die Autoren letztlich dem Anwender. Sie geben aber zu bedenken, dass ein Film dem Zuschauer schmecken soll. Gern ziehen sie „Rambo“ als Beispiel heran, um ihre Argumentation zu belegen, auch „Titanic“, „Pretty Woman“, „Fack ju Göthe“. Das könnte manchem altmodisch und mainstream-orientiert erscheinen, aber letztlich wollen wir alle ein möglichst breites Publikum erreichen. Und irgendetwas scheinen die Autoren dieser Publikumserfolge ja richtig gemacht zu haben.

Manchmal reichen kleine Eingriffe aus, um viel zu verbessern. Doch man benötigt Abstand, um diese effizienten Stellschrauben zu erkennen. Bei einem eigenen Werk ist der oft schwer herzustellen, und nicht immer steht dem Autor dafür eine kompetente Person des Vertrauens zur Seite. Bei der Identifikation von besser zu killenden Darlings kann also ein Buch wie dieses durchaus helfen.
Mehr Informationen und ein großzügiger „Blick ins Buch“ zur eigenen Meinungsbildung unter:

www.uvk.de/buecher/alle/db/titel/details/titel/so-bekommen-sie-ihr-drehbuch-in-den-griff/ch/1687298cfae36022a9409c257c969eb2/#