5. Oktober 2016
 

„Edition Scenario“: Die epische Drehbuch-Saga bekommt Spin Offs

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Eine gute Nachricht für alle, die zehn Episoden lang die tiefgründige und unterhaltsame Reihe „Scenario“ verfolgt und geschätzt haben: Es geht in anderer Form weiter.

Das Finale von „Scenario“, die Ausgabe 10 des von Herausgeber Jochen Brunow und seinen AutorInnen und MitarbeiterInnen wie immer aufwändig und liebevoll gestalteten Almanachs erschien in diesem Frühjahr. Wieder bietet er eine Fundgrube an Texten und Illustrationen für alle an Kunst, Handwerk und Arbeit des Drehbuchschreibens Interessierten. Natürlich ist der Band wie seine neun Vorläufer in jeder guten Mediathek, sprich: Buchhandlung, zu haben (Inhaltsverzeichnis und Leseprobe: www.bertz-fischer.de/product_info.php?products_id=481).
Allein schon das in „Scenario“ erschlossene Wissen um die Historie des Drehbuchs seit Beginn der Filmgeschichte reicht aus, um die zehn Bände zu einem Schatz in jeder Autoren-Bibliothek (und anderen) zu machen. Nicht zuletzt ging es immer wieder um das Skript als eigenständige Textgattung und ja, auch Kunstform. Gut geeignet, das vielfach strapazierte Selbstbewusstsein von DrehbuchautorInnen zu stärken. „Scenario“ bleibt ein Meilenstein für alle, die in Drehbuchliteratur nicht nur nach „Tipps und Tools“ und Dramaturgie-Rezepten suchen, sondern auch über die eigene Rolle, das eigene Selbstverständnis nachdenken.
Mit Ausgabe 10 des Almanachs wurden die Storylines der vielen darin etablierten, unterschiedlichen Rubriken aber nicht auserzählt. Deshalb bekommt „Scenario“ nun Spin-Offs, und zwar unter dem Label „Edition Scenario“: Kleiner, schneller, wendiger, auf einzelne Themenbereiche konzentriert. Nicht mehr Hardcover, sondern Paperback, doch nicht weniger gehaltvoll oder gar leichtgewichtig.
Die erste Episode erscheint in diesem Oktober unter dem Titel „FilmSchreiben“ (www.bertz-fischer.de/filmschreiben.html) Darin drei bisher unverfilmte Drehbücher von Jochen Brunow aus den 90er und 00er Jahren. Ein einleitender Essay von Michael Töteberg über den künstlerischen Eigenwert von Drehbüchern und die Lebensthemen des leidenschaftlichen „Filmautors“ Jochen Brunow - Selbstfindungsprozesse durch Auf- und Ausbrüche und Reisen ins geografisch wie geistig Unbekannte - sensibilisiert für die drei Skripte. Die These ist, dass Drehbücher, die wie hier bis zur Drehreife entwickelt wurden, pures filmisches Schreiben mit eigener literarischer Identität und nicht etwa nur „Gebrauchsprosa“ sind: Eine vorausgreifende Inszenierung über bewusst gestaltete und eingesetzte Schriftsprache, die die Bilder des Film und dessen Rhythmus, Klang und erzählerischen Sog evozieren soll. Jeder Leser kann diesen Gedanken überprüfen, wenn er den Projektor im eigenen Kopfkino anwirft und sich durch die Lektüre nach Afrika, ins 19. Jhd. und in High-Tec-Labore in scharfem Kontrast zum ländlichen Sardinien versetzen lässt:
In AFRICAN PRINCESS verliert eine Jazzsängerin bei ihrem Debüt auf der großen Bühne ihre Stimme und findet sie, ihren ihr unbekannten Vater und ihre kulturelle Heimat in Simbabwe beim Shona-Volk wieder. In DER HEILER verliebt sich der Arzt Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie, im 19. Jhd. in eine unkonventionelle junge Marquise und wagt es trotz seines hohen Alters, die deutsche Provinz hinter sich zu lassen, um mit ihr in Paris ein neues Leben aufzubauen. In FOREVER YOUNG wird ein ehrgeiziger junger Wissenschaftler zunächst geködert, dann gejagt von einem zwielichtigen Pharma-Unternehmer und findet dabei auf Sardinien nicht nur den Schlüssel zur unbegrenzten Zellteilung, sondern auch seine bisher verdrängten und doch prägenden familiären Wurzeln.