16. Januar 2018
 

Deutscher Fernsehpreis - Offene Reaktion des VDD auf ein Antwortschreiben der Stifter

Autor: VDD

Berlin, 16. Januar 2018

Reaktion auf das Antwortschreiben der Stifter des Deutschen Fernsehpreises.

Sehr geehrter Herr Pflüger,

sehr geehrter Stifterkreis des Deutschen Fernsehpreises,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort auf unseren offenen Brief zur Einladungspolitik – sie kam am 12. Januar, mithin am selben Tag. Bei aller Reaktionsschnelligkeit: Zur Klärung beitragen konnte sie leider nicht.

Sie verweisen auf die Nominierten im Bereich „Bestes Buch“, die ja eine volle Einladung erhalten hätten. Dies gilt wohl auch für „Beste Regie“ - dennoch sind die Regisseure aller nominierten Formate eingeladen, ebenso wie die Redakteure. Das mag Machtverhältnisse abbilden – nicht aber den künstlerischen Prozess, der hinter der Entstehung von Filmen und Serien steht. Die Autoren der ausgezeichneten Filme und Serien, zentrale Urheber und erfolgreiche Kreative, die mit ihren Visionen ein Millionenpublikum erreicht haben, werden gnädig in einer zweiten Welle als „Gäste“ geladen, was nichts weiter ist als eine Einladung zweiter Klasse – auf eigene Kosten und weiterhin unvollständig.

Sich hierbei auf eine Tradition zu berufen (Zitat: „An dieser Praxis hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nichts geändert“), heißt, dass Sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Jedem Fernsehverantwortlichen muss angesichts der Erfolge der amerikanischen, britischen, skandinavischen Anbieter klar sein: Die Zukunft des Erzählens sind die Erzähler! Nur in Deutschland mit seiner großen TV-Industrie leistet man sich weiterhin den Luxus, Programm vielfach mehr zu verwalten als neu zu gestalten –

die Einladungspolitik des Fernsehpreises verweist damit über den Skandal in den sozialen Netzwerken auf eine große, selbst eingebrockte Gefahr für unsere Branche.

Ist es so falsch, hier eine Parallele zur deutschen Politik zu sehen, die ja in Ihren Programmen – und vermutlich auf den Einladungslisten – weiterhin üppig repräsentiert ist? Die Bewahrung des Bestehenden kann das Erreichte gefährden. Weder die Zustimmung zu Parteien noch zum Fernsehprogramm ist garantiert. Beide brauchen neue, innovative Lösungen, müssen ideenreich und flexibel auf eine sich rasend wandelnde Welt reagieren. Dafür brauchen Sie uns. Denn unsere – stets gefährdete – Profession ist es, diesem Wandel nachzuspüren und ihn in Geschichten abzubilden, die auch morgen und übermorgen noch Zuschauer faszinieren.

Wir sind nicht bloß Gäste. Wir denken uns das aus, was an diesem Abend gewürdigt wird. Autoren als Schöpfer Ihrer Programme gehören als Nominierte in jede Kategorie.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Sebastian Andrae (Gf. Vorstand)

Prof. Peter Henning (Gf. Vorstand)

Katharina Amling (Vorstand)

Brigitte Drodtloff (Vorstand)

Dinah Marte Golch (Vorstand)

Uwe Petzold (Vorstand)

Christian Lex (Vorstand)

 

Im Anhang finden Sie den Text des Antwortschreibens des Stifterkreises sowie die Offene Reaktion des VDD zum Download.

 

Kontakt:

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