10. Februar 2011
 

Küstenwache

Ursula Pfriem (Executive Producer)
Serie; Mittwoch 19.25 Uhr, ZDF

Nach einigen schwierigen Jahren verspüren die Macher von deutschen Fernsehserien wieder einen leisen Aufwind. Ursula Pfriem, die mit "Küstenwache" eine der erfolgreichsten Vorabendserien betreut, spricht über die Anforderungen an Autoren und über ihre Einschätzung der Lage.

Ursula Pfriem machte ihr Diplom in Betriebswirtschaft, setzte dann eine Aufbaustudium Kultur- und Medienmanagement obendrauf und durchlief das TV Producer Programm der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Gleichzeitig arbeitete sie als Produktionsassistentin bei Fernsehfilmen und als Produktionskoordinatorin für internationale Filme. Als Produktionsleiterin realisierte sie mehrere Spielfilme für Kino und Fernsehen. Im Jahr 2005 kam sie zur Opal Film zunächst als Assistant Producerin, im Jahr 2006 übernahm sie den Job der Executive Producerin. In diesem Jahr wurde die 200ste Episode der Serie ausgestrahlt.

Ursula Pfriem im Grespräch mit Stichwort Drehbuch

Kommentare

Interssant. Ein Podcast mit "Hidden Track". Wenn auch mit einer gewissen Redundanz! ;-)
@Anonymous Könntest du dich eventuell noch etwas genauer ausdrücken? Was ist mit Hidden Track gemeint und worin liegt die Redundanz?
Na, wenn du den Podcast angehört hast komplett, wüßtest du, dass nach der Verabschiedung und einer kleinen Pause das Interview weitergeht, sich beziehungsweise wiederholt.
Oops! Danke für den Hinweis, der Fehler wird behoben. Wir sind jederzeit dankbar, wenn man uns auch auf solche Patzer hinweist.
Bin ich die Einzige, die weinen muss wenn sie dieses Interview hört* (oder eine Folge Küstenwache sieht)? Scheiße. Wir sind am Arsch. Wenn Geschichten so offensichtlich schlecht erzählt (und inszeniert) werden, und sie als Flaggschiff bezeichnet werden, dann kann man nur noch verzweifeln. Warum gibt es zu diesen Situationen keine offenen Briefe? Dabei könnte die Küstenwache eigentlich ziemlich gut als Parodie und Komödie funktionieren. So viel müsste man ja nicht ändern. *Nicht, dass hier Missverständnisse entstehen. Frau Phriem ist sicherlich eine nette und talentierte Frau und formuliert im Interview auch einige mutige und kluge Aussagen. Aber irgendwie scheint sie schon auch von einer gewissen Qualität ihres Produkts überzeugt zu sein, was ziemlich schockierend ist.
Nun ist das „Flaggschiff“ auf ein Riff gelaufen. Es stand lange zu befürchten. Dass Ursula die Gerechte, wie man hört, oft erstklassige Manuskripte aus persönlichen Abneigungen gegen Autoren abgelehnt hat, um dem zahlenden Publikum stattdessen wieder ihren abgestandenen Brei zu servieren, wäre, sollte es stimmen, wahrscheinlich nicht der Hauptgrund für die falsche Kursberechnung. Gewichtiger noch, denn nur eine Handvoll sehr guter Manuskripte hätten den Karren vermutlich auch nicht mehr aus dem Dreck gezogen, sind zum Beispiel die mangelnde Kompetenz und der Ideenmangel einiger Autoren, keinesfalls aller, Opal hat auch gute Autoren, unter dem Kommando von Kapitänin Ursula. Es sind immer dieselben, nach spätestens 5 Minuten reinhören mit geschlossenen Augen weiß ich genau, wer die Folge geschrieben hat. Die Wette gilt! Was es mit dem Geschriebenen auf sich hat, kann man daran ersehen, dass Ursula die Gerechte manchmal sogar Opal-Producer schreiben lässt!!! Es kommt also nicht drauf an, was man schreibt, sondern dass man Ursula die Gerechte oder einen der Opalbosse kennt. Was das, auch für den Anspruch der Öffentlich-Rechtlichen, heißt, dürfte jedem klar sein … Wer als Autor also gerade mal mächtig auf’m Schlauch steht, der miete sich ein Büro bei Opal, und Ursula die Gerechte erteilt einen Drehbuchauftrag! Die von Opal eingeführte Neuerung, diese clevere Special-OPAL-Cliffhangervariante, also die Episodenfiguren alle paar Folgen wieder in neuem Gewand auftauchen zu lassen, könnte auch kontraproduktiv gewesen sein. Der Zuschauer fragt sich zwar: Wird die Nonne in der übernächsten Folge eine Prostituierte geben? Wird der verlotterte Penner beim nächsten Mal Investmentbanker sein? Aber manch einer nimmt die Sache dann vielleicht noch weniger ernst als zuvor… etwas übertrieben in diesem Punkte, muss ich fairerweise sagen, aber so wie bei der „Küstenwache“ habe ich’s vorher noch nicht gesehen, verfolge allerdings sonst auch kaum Vorabendserien. Dann die schwachen, miserabel konstruierten Plots vor allem in den letzten zwei Jahren, der Mangel an lebensechten Figuren oder auch „Originalen“, die flachen Dialoge und die gerade in den letzten ein, zwei Jahren äußerst platten Witzeleien, in denen sich insbesondere der Koch zum Vierklassen-Baumschulen-Obst macht Das hat sogar das ZDF gepeilt und den Koch kurzerhand aus dem Verkehr gezogen, so dass Kommandante Ursula ihre Helden jetzt mit knurrenden Mägen auf Verbrecherjagd schicken muss – und das, wie Hauptkommissarin Ursula nach ein paar Jahren bei der „Küstenwache“ mittlerweile allen Ernstes tatsächlich glaubt, in der kreuzgefährlichen Ostsee. Man muss bei den platten Witzeleien z.B. um das arme Köchlein zur Rezeption schon mit dem Humor eines Achtjährigen gesegnet sein, dem erwachsenen Zuschauer treibt Fremdscham den Schweiß auf die Stirn – wohingegen die vielen peinlichen Fehler der Serie oft herzerfrischendes Gelächter auslösten, ich erinnere mich gerade, als bei spiegelglatter See auf einer Yacht durch den starken Wind der Großbaum mit der Geschwindigkeit eines von Joe di Maggio geschwungenen Baseballschlägers gegen die Rübe eines drittklassigen Schauspielers knallte. Ja, bei solchen Gelegenheiten kam oft Freude auf … Hier beschenkte uns Gabi Ursula Köster reichlich. Und das soll jetzt alles vorbei sein? Nein, Ursula Anne Bonny und ihre OPAL-Kamarilla führen diese ruhmreiche Tradition zum Glück weiter in der neuen Serie „Mord und Meer“. Sie wissen schon, da wo die alle so „cool und authentisch“ sind. Neulich zappte ich aus Versehen rein – und prompt führte Frau Doktor Ursula dort den SchneAZ (schnellster Arzt aller Zeiten) vor. Dem zittrigen alten Grufti gelang es, aus dem Stand mit hängenden Armen heraus seinem Gegenüber eine Ladung Kalium im BRUCHTEIL EINER SEKUNDE zielsicher in die Vena jugularis zu injizieren – das gab‘s vorher auf diesem Planeten noch nicht. Aber ich will jetzt hier nicht ins Schwärmen kommen … Ich hoffe wirklich, nach dem Schiffbruch lenkt Hubschrauberpilotin Ursula ihr Gefährt jetzt nicht noch in den benachbarten Kirchturm, bin aber andererseits aber zuversichtlich, wir werden in der neuen Serie noch ordentlich was zu lachen haben. Gleichwohl muss ich als langjährigere Beobachterin der „Küstenwache“, dieser furiosen Satiretitanik en miniature des ZDF, fairerweise konstatieren: Die Serie war bis auf den seit nunmehr ein- zwei Jahren anhaltenden Totaleinbruch insgesamt gesehen anfangs nicht noch schlechter geworden, seit Kapitänin Ursula das Kommando von ihrer Vorgängerin übernommen hatte, meines Erachtens sogar a bisserl besser, was hauptsächlich zwei, drei sehr guten Autoren zu verdanken ist. Trotz der krampfhaften „Modernisierungs“versuche, mit denen man glaubte, die „Albatros“ auf Kurs zu halten, gelang es Mittelstürmerin Ursula des FC Opal wie immer nur, das Leder ins Netz der 6-10jährigen und über 100jährigen Zuschauer zu köpfen, während sie den Elfmeter gegen die die entscheidende Zielgruppe der 14-99 Jährigen einmal mehr ins dritte Stockwerk schoss, was nur auf den ersten Blick verwundert, denn ich glaube, man schätzt diese Zielgruppe falsch ein … Es ist trotzdem schade um die „Küstenwache“, das ZDF, das sich hauptsächlich aus den Rundfunkbeiträgen ALLER über 18-Jährigen finanziert, macht möglicherweise (!) mal wieder den Fehler, eine im Grunde ursprünglich gut konzipierte Serie abzusetzen, die sich in der Regel immer noch unter den ersten Zehn im Tagesranking befindet, auch wenn auf diesem Sendeplatz in der Mitte der Woche vor Fußball oder Aktenzeichen vermutlich sogar die „Sendung mit der Maus“ Einschaltquoten in Millionenhöhe erreichen würde. Zur „nette(n) Frau“: Die Vorgängerin Pfriems wurde verdächtigt, nach der Bildertreatmentphase (25% Honorar für 50-75% der Arbeit) oft die Autoren gefeuert und den Rest dann selbst zu Ende geschrieben und so den Löwenanteil des Honorars kassiert zu haben, was strafrechtlich relevanter Betrug wäre (Opal ist nicht nur in dieser Hinsicht berüchtigt) Paar flache Dialoge ins Bildertreatment einfügen ist Pipifax, Opal kennt sich ja damit aus. Aber ob diese Vorwürfe damals wahr waren oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen. Nur eines weiß ich gewiss: Gegen Ursula Pfriem, und es ist, als deutete es Zarah Ursula Leanders herbe Stimme schon an, dürfte die Frau damals, egal was sie getan hat, immer noch Mutter Teresa sein. Apropos herbe Stimme: Wer unter den historisch Kundigen denkt im Podcast bei Amtsrichterin Ursulas Aussprache des Wortes „Morde“ nicht sogleich an Freislers Ausbruch im Volksgerichtshof „Morde? Sie … sind … ja … ein schäbiger Lump!“ Bis auf die Lautstärke ähnelt sich alles: die Tonlage, ihr derbes Kontra-Alt, und die Modulation. Wobei die heilige Jungfrau Ursula natürlich keinesfalls in die ideologische Nähe eines Monsters wie Freisler zu rücken ist, das ist klar. Aber die Kluft zwischen der kleinen, zarten, schönen Weibeshülle und dem unsagbar niederträchtigen, fiesen und skrupellosen Charakter dieser eiskalten Trude ist so gewaltig groß, dass man es sich kaum vorzustellen vermag. Und so habe ich den Kreis soeben doch noch geschlossen, denn mit dem Hinweis auf ihren Charakter, sollte sie das lesen, habe ich ihr wieder ein versöhnliches Grinsen ins Gesicht gepflanzt, denn ein schöneres Kompliment hätte ich ihr nicht machen können.