25. Juni 2012
 

Streitgespräch: Piraten und das Urheberrecht

Tom Bohn mit Oliver Schütte und Frank Zeller

Der Filmemacher Tom Bohn (mit dem bereits vor einigen Wochen eine Sendung zu seinem Film "Reality XL" gesendet wurde) im Streitgespräch über die Piratenpartei und das Urheberrecht. Tom Bohn ist seit einiger Zeit Mitglied der Piratenpartei. In dem kontroversen Gespräch geht es auch um die Frage, wie die Urheber in Zukunft ihre Rechte gewährleisten können.

Tom Bohn im Grespräch mit Stichwort Drehbuch

Kommentare

Danke für die Fortsetzung des Gesprächs an die Macher und an Tom Bohn! Ich achte und schätze den Enthusiasmus von Thomas Bohn und es ist deutlich, dass er über viele Dinge sehr viel und gründlich nachgedacht hat. Aber wenn er sich den Piraten in die Arme wirft, dann legt er seinen Kopf auf den Henkersblock. Er unterschätzt meines Erachtens die Bequemlichkeit der Downloader und die überschätzt ihr moralisches Empfinden. Er appelliert an das Bewusstsein und will nicht wahr haben, dass die Masse nicht moralisch handelt, sondern eigennützig. In Bezug auf die Strategie der Lebensmitteldiscounter und ihre Strategie, den Milchpreis massiv zu drücken, (was der Verbraucher mitgemacht hat), sagte mal jemand: "Der Verbraucher redet idealistisch und handelt egoistisch". Wer das partout nicht glauben will, wird es schmerzhaft erfahren. Auch in der Filmindustrie. Und natürlich bestreiten viele Piraten geradeheraus, dass Urheber gut leben sollen. "Die machen das doch aus Idealismus und nicht für das Geld" ist weit verbreitete Haltung. Und manche Piraten argumentieren: "Wenn wir erst mal das "Bedingungslose Grundeinkommen" eingeführt haben, brauchen Künstler ja gar nicht mehr bezahlt zu werden." Und das meinen die ernst. MfG Andi
In der tat darf ich jetzt als Filmemacher auch nochmal meinen Senf zu dieser Diskussion bei geben. Ich bin wirtschaftlich und politisch nicht so auf dem laufenden und sehe diese Problematik von einer ganz anderen Warte. Filme anzuschauen und Musik zu hören ist eine rein emotionale Sache. Die unglaublich schnelle Verbreitung von digitalen Medien hat in den letzten 10 Jahren eine besorgnis erregende Form angenommen. Und das was Mitte der 90er unter Musikern als Segen empfunden wurde weil man plötzlich nicht mehr gezwungen war für 6500,- DM einen Digital Sampler zu kaufen ist leider heute in gweisser weise ein Fluch. Nämlich der digitale. Es findet eine seh und konsumiergewohnheit statt die sich weder um Inhalte Gedanken macht noch darum wer diese in jahrelanger Arbeit produziert und herstellt. Wenn euch das zu fatalistisch erscheint schaut euch in euer "soziales" Umfeld. Wenn ich nicht mal mehr in der Lage bin zwischen Qualietät und "Müll" zu unterscheiden, wie soll ich dann eine idee davon bekommen was es bedeutet wenn ich ganz gleichgültig der Konsequenzen einfach nur alles aus dem Netz sauge wonach mir der Sinn steht. Ob nun voll gefressen mit Schmierwampe und Cola oder in feinstem Zwirn. Zu dem ist tatsächlich der gemeine "Otto Normalverbraucher" medial schon so voll gefressen das nur noch bereit ist ins Kino zu gehen wenn er dort mindestens eine halbe Stunde völlig Sinn entlehrtes Spezial Effekt Feuerwerk in ohren betäubender Lautstärke präsentiert bekommt. Und worum ging`s ?! "Keine Ahnung aber geile Effekte" Die grossen Multiplexe sind mitlerweile zu nichts weiter als zu einer visuellen und akustischen Fast Food Bude verkommen. Um zum Punkt zu kommen; Ich behaupte das bei den meisten Menschen die z.b. Filme down loaden die Wertschätzung dessen fehlt woran sie sich mit einer selbstverständlichkeit bedienen als wäre es das normalste der Welt. Und der Grund dafür ist ein völlig unkontrolliertes Konsumverhalten das durch Werbecampagnen auch noch angeheizt wird. Wir erinnern uns an die "Geiz ist Geil" Kampagne. Mit dem Unterschied das Saturn seine Hardware nicht verschenkt aber gerne solche Menschen verachtenden Spüche unter`s Volk bringt. Erst wenn aufwendig gemachte grosse Kinofilme von der Leinwand verschwinden oder so aussehen wie die schlecht gemachten RLT Action Produktionen wird es viell. ein paar Leute geben die sich Fragen wo eigentlich die Qualietät grossartiger Werke geblieben ist. So etwas wie Herr der Ringe zu produzieren ist so ziemlich das aufwendigste und teuerste was man sich denken kann. Mal abgesehen von dem belive und der Lebenszeit die Menschen für solche Projekte opfern. Ich spreche jetzt nicht von den Gewinnen die eingefahren werden sondern einfach von der fehlenden Wertschätzung für kulturelle und künstlerische Inhalte im allgemeinen. Keinem Autor oder film schaffenden der proffessionell arbeitet reicht es aus wenn man ihm einfach nur auf die Schulter klopft und sagt; "hast Du fein gemacht" Wenn wir ALLE nicht lernen Medien verantwortungsvoll und mit einer Wertschätzung zu nutzen wird sich bis zum totalen digitalen Overkill nichts ändern. Und sollte das der Fall sein werden die Filme die wir alle lieben so aussehen wie der schlecht gemachte you tube Schrott. sorry wegen den Schreibfehlern ;-) Frohe Weihnachten