24. August 2013
 

Doc meets Dorf

Miriam Rechel
Donnerstag, 20.15h, RTL

RTL startet mit einer Reihe von neuen Serien für den Donnerstag Abend in den Herbst, die eine neue Programmfarbe setzen sollen. Miriam Rechel, die noch an der HFF München Regie studiert, erhielt von der Produktionsfirma Teamworx den Auftrag, die Story um eine Großstadtchirurgin in einer Landarztpraxis zu entwickeln.

Am Anfang stand ein Seminar zum Thema TV-Serie bei der Teamworx-Produzentin Steffi Ackermann, die auch schon "Doctor's Diary" mit Bora Dagtekin entwickelt hatte. Rechel überzeugte sie vor allem durch ihre frische und zeitgemäße Schreibe und bekam schließlich das Angebot, anhand einiger Eckpunkte das Konzept zu einer neuen Serie zu entwerfen. Doch auch die gesamte erste Staffel mit acht Folgen durfte sie dann praktisch im Alleingang schreiben.

Miriam Rechel im Grespräch mit Stichwort Drehbuch

Kommentare

Diese neue Serie wiederum ist eine Kopie des US-Hits „Hart of Dixie“ – auch wenn RTL nicht darauf hinweist. In Deutschland wird „Hart of Dixie“ zurzeit auf SIXX ausgestrahlt. Im Original spielt die Hauptrolle der Serie Rachel Bilson, die einigen noch als die „Summer“ aus der Serie „O.C. California“ bekannt sein dürfte. Wie im RTL-Abklatsch geht es um eine gescheiterte Herzchirurgin aus der Großstadt (New York), die auf dem Land (Alabama) eine Hausarztpraxis erbt und mit den dort lebenden „Landeiern“ aneckt. Interessant ist, dass einige Szenen in „Doc meets Dorf“ exakt gefilmt sind wie im US-Original: zum Beispiel die, in der die Protagonistin nach ihrer Ankunft auf High Heels die Straße entlangstöckelt und einen Rollkoffer hinter sich herzieht. P.S. Ist nicht von mir, sondern aus der Osnabrücker Zeitung. Der rasante Quotenverfall zeigt, dass RTL auf's falsche Produzenten Pferd gesetzt hat. Kopien von US Serien haben noch nie bei uns funktioniert....
Ja Kritiken gibt es viele, kommt darauf an, welche man aussucht. hier ein Alternativangebot: RTL-Serie "Doc meets Dorf" im kress- Check: Verf#ckt nochmal große Unterhaltung Inez Bjorg David spielt Fritzi in der neuen RTL-Serie "Doc meets Dorf" Wer sich diesen Titel ausgedacht hat, sollte erwürgt werden. "Doc meets Dorf" heißt die neue Primetime-Serie, mit der RTL ab 22. August seinen Serien-Donnerstag einläutet. Doch dieser Titel, der gesprochen so missverständlich klingt, ist beinahe der einzige Minuspunkt für die Produktion aus dem Hause teamWorx. Die sympathische Landei-Romanze hat den kress- Check bravourös bestanden – und erinnert bis ins Detail an eines der erfolgreichsten RTL- Werke der vergangenen Jahre. Doch zunächst: Worum geht es eigentlich? Die junge Herzchirurgin Fritzi Frühling, gespielt von Inez Bjørg David, verliert erst den Mann an eine andere, dann Karrierechancen wegen ihres ungezügelten Temperaments und schließlich noch ihre Tante. Die tote Verwandte bringt sie ins brandenburgische Dorf Kanada, wo sie das Haus übernimmt – und eine Praxis zusammen mit Ex-Liebschaft Falk (Bert Tischendorf). Stadtmädchen Fritzi tut sich schwer zwischen Treckern, Dorfkneipe und Kuhkacke. Es gibt also genug Konfiktpotenzial und reichlich Gag-Gelegenheiten. "Doc meets Dorf" belässt es aber nicht bei Gags, dem üblichen Herzschmerz und Tralala – zum Glück. Die von der jungen Autorin Miriam Rechel geschriebene Geschichte ist stellenweise sehr dramatisch. Tiere sterben, in Folge 2 auch beinahe Kinder, eine Frau weint bitterliche Tränen angesichts ihrer Krebserkrankung und nicht nur Fritzi macht die schmerzhafte Erfahrung, dass im Dorf Kanada, in dem sie früher einmal lebte, nichts mehr so wie früher ist. Konsequenter Anschluss an "Doctor's Diary" Apropos früher: Wer sich beim Zuschauen ganz gewaltig an die preisgekrönte RTL- Eigenproduktion "Doctor's Diary" erinnert, liegt völlig richtig. Denn "Doc meets Dorf" gibt sich in beinahe allen Belangen redlich Mühe, möglichst alle Erfolgsfaktoren von damals originalgetreu nachzubilden. Dafür verantwortlich zeichnet Produzentin Steffi Ackermann, die erst für Polyphon "Doctor's Diary" schuf und dann zu teamWorx wechselte, wo sie nun das Genre Serie zu Erfolgen verhelfen soll. Wie beim einstigen Erfolgsformat stammt das jetzige Buch von einer Nachwuchskraft, bei RTL trägt Ulrike Leibfried wieder die redaktionelle Verantwortung, Franziska Meyer Price führt Regie und alle zusammen erschaffen wie einst eine Story rund um eine vorläufig gescheiterte Medizinerin, die von der Männerwelt enttäuscht ist. Der Serie tun die 45 Minuten Netto-Laufzeit sehr gut. Autorin Rechel kann Geschichten erzählen, komplexere Handlungen entwickeln und tut dies tatsächlich meisterlich. Ihr Buch ist eine exzellente Vorlage für Regisseurin Meyer Price, die eine sorgsam ausgewählte Darstellerschar ausreichend Raum lässt, ihre Charaktere zu entwickeln. Fernsehen für die Generation Facebook "Doc meets Dorf" spricht ganz eindeutig die 14- bis 35-Jährigen aus der Generation Facebook an, vor allem sprachlich. Öfters tauchen Hashtags auf ("verf#ckt") und im Textbuch stehen Dinge wie: "Checkst du gerade meinen Hintern ab?" Zum Vergleich Hunde/Männer: "Warum wedelt ihr nicht offen mit eurem Schwanz?" oder "Sie können mir jetzt alle verfickt nochmal den Buckel runterrutschen!" All diese Sätze stammen von Ärztin Fritzi, die durchaus zur Identifikationsfigur für junge Frauen taugt: Sie ist strebsam und selbstbewusst, aber schonungslos direkt; sie wirkt mit ihrer Stupsnase so unschuldig, kann aber saufen wie ein Loch. Es passt so vieles: das Buch, das Tempo der Geschichte, die Mischung aus Komödie, Herz und Schmerz, die Besetzung vor und hinter der Kamera, die Bilder – ja selbst die Filmmusik macht außerordentlich Freude. Der dafür Verantwortliche Jens Oettrich arbeitet nicht nur bildunterstützend, sondern erzeugt eigene Spannungen und erzählt mit Klängen von Soundtrack-Format einen Großteil des Inhalts. Das lässt sogar den dämlichen Titel verzeihen.
Guten Tag, Herr Menne schreibt in seinem Kommentar von einem "Ideenklau" und verwendet nicht das Wort "Plagiat"; wie Frau Ackermann ihm entgegnet. Obwohl der Begriff Plagiat in der deutschen Legaldefinition nicht vorkommt, sollten wir doch hier etwas differenzieren, auch wenn der verehrte Kollege etwas über das Ziel hinaus geschossen hat. Eine wichtiger Punkt wurde in der Stellungnahme zudem nicht berücksichtigtt: "Ich bin auch Drehbuchautor und wenn ich von solchen Produktionen höre, frage ich mich nicht mehr, warum Deutschlands Serien in der Krise stecken." Mich hätte wirklich aufrichtig interessiert, wie man diesem Format ein breites Publikum zugetraut hat. Eine Antwort von Produzentenseite kann uns Autoren durchaus nützlich sein, denn machen wir uns nichts vor: das sinkende Angebot fiktionaler Serien raubt uns die Jobs, eine Idee zu entwickeln (selbst mit einem Produzenten) macht uns fast Pleite; zumindest wenn man die Entwicklung und Bezahlung einer Serie nach ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet. Die "Ist-Situation" deutscher Serien ist katastrophal, diese Serie hat daran (leider) nichts geändert und muss sich zwangsweise den Vergleich HoD gefallen lassen - ob man nun Ideenklau vorwift oder nicht. In diesem Zusammenhang einmal ein Dankeschön an die Podcastmacher: wie so viele Podcasts war er spannend und diese Diskussion erst recht. ;) Ein Autor
Ihr könnt doch nicht mit einer Serie anfangen und nach 8 Folgen aufhören. Also wenn Deutschland wirklich was drauf hat dann gibt es sehr viel mehr von " Doc meets Dorf " zu sehen und das relativ im Anschluss!