14. November 2018
 

AutorInnen zwischen Chancen und Herausforderungen. Der VDD beim 33. Mannheimer Filmsymposium

Das Mannheimer Filmsymposium hat sich in diesem Jahr in seiner 33. Ausgabe auf das Drehbuch konzentriert – der VDD war Kooperationspartner mehrfach präsent.

VDD-Vorstand Peter Henning war angereist, um auf einem Panel zusammen mit VDD-Gründungs- und Ehrenmitglied Jochen Brunow über die aktuelle Situation der AutorInnen in Deutschland zu berichten. Die Konkurrenz internationaler Serienproduktionen setzt auf den kreativen Einfluss der AutorInnen im gesamten Produktionsprozess und verändert damit auch bei uns den Standard in der seriellen Produktion. Langsam setzt sich endlich auch hierzulande die Erkenntnis durch, welche zentrale Rolle die Arbeit der DrehbuchautorInnen für den Erfolg der Branche spielt.

Die Wertschätzung und Sichtbarkeit der AutorInnen muss zwangsläufig auch in Deutschland nachjustiert werden. Die übergroße Formatierung und der selbstgemachte Zwang zum quotenorientierten „Weiter So“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verhindert zudem viel zu häufig die kreative Entfaltung zur Entwicklung neuer Inhalte.

In diesem Kontext schaffen unter anderem die internationale Vernetzung und die Senderbeziehungen des VDD und auch die schnell gewachsene und stark wahrgenommene  Autoreninitiative  Kontrakt 18 wichtige Grundlagen, um in diesem entscheidenden Prozess die Weichen richtig zu stellen.

Zugleich ist die Situation für die AutorInnen auch dramatisch, denn durch die Digitalisierung und den starken Wandel der Medien und der Mediennutzung findet ein Umbau statt, dessen Dynamik auch eine Modernisierung der Vergütungssysteme notwendig macht. Dieser Umbau ist verbunden mit Risiken, denn insbesondere in der zunehmenden digitalen bzw. non-linearen Nutzung müssen die Grundlagen für angemessene, faire und zukunftssichere Vergütungen erst noch geschaffen werden, die der Expansion der Nutzungsangebote gerecht werden. Den laufenden Verhandlungen des VDD mit den öffentlich-rechtlichen Sendern kommt hierbei entscheidende Bedeutung zu.

v. l. n.r. Peter Henning und Jochen Brunow auf dem 33. Mannheimer Filmsymposium

Jochen Brunow hat auf dem Symposium zusätzlich in einem Vortrag über Selbstreferenzen des Drehbuchautors im Film hergeleitet, wie sich anhand der historischen Darstellung des Drehbuchautors im Film Rückschlüsse ziehen lassen auf seine jeweilige Stellung in der Branche – die nie der Bedeutung seiner Werke entsprach.

Jochen Brunows Fazit:

„Die Bedeutung des Autors im Prozess der Filmherstellung wurde möglicherweise aus eben dem Grund gering gehalten, damit (der) heikle Übergang von Realität zur Illusion nicht deut­lich wird, der Umgang mit ihm nicht thematisiert und hinterfragt wird. Die Metamor­phose von gelebtem Leben - in Erzählung vom Leben ist eben nicht so einfach und geschieht nicht so leichthin, wie Filme es vermuten lassen, oder es dem Zuschauer erscheinen soll. Dem Vorgang wohnt auch ein gewisses magi­sches Moment inne. Die Erzählung ist nicht zu haben ohne einen Erzähler. Was die Sache zum einen zu einer intimen macht. Zum anderen steht er Autor an einer Stelle, an der Wirklichkeit in eine Form gebracht wird, die sie der industriellen Verwer­tung handhabbar macht. Darin liegt seine besondere Gefährdung und seine beson­dere Verant­wortung. (…)

Man könnte vielleicht sogar soweit gehen und sagen, die Magie, die im Schöpfungsakt einer Geschichte liegt, schürt Neid.“

Den vollständige Text von Jochen Brunows Rede finde Sie hier.

Das Filmsymposium in Mannheim hat das Schreiben für Film und Serie und das Drehbuch als zentrale Grundlage der Filmproduktion in vielen Facetten und einem breit angelegten Programm beleuchten können.

Wir sagen herzlichen Dank an Peter Bär vom Cinema Quadrat, an sein Team und die weiteren Kooperationspartner. Eine Fortsetzung ist wünschenswert!

Der  VDD setzte sich in 2018 auf zahlreichen Veranstaltungen dafür ein, dass die Auseinandersetzung mit der Situation der DrehbuchautorInnen, mit den Besonderheiten der Stoffentwicklung sowie der Bedeutung des Drehbuchs für die Filmproduktion öffentlich sowie in der Branche stattfindet.

 

VDD-Veranstaltungen 2018 waren unter anderem:

Die Verleihung des Deutschen Drehbuchpreises

Drehbuchpanel auf dem Filmfest München

Drehbuchpanel bei Fokus Drehbuch

Bilder einer Stoffentwicklung 4 BLOCKS in Köln

World Conference of Screenwriters - WCOS 04