27. November 2019
 

Neue Chancen für Autorinnen: Rückblick auf den VDD Jour Spécial am 12.11.19

Am 12. November trafen sich erstmals ausschließlich Autorinnen zu einem „VDD Jour Spécial“ in Berlin, um zu networken, zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen – vor allem, was Gender-Themen betrifft.

Zu dem von VDD-Mitglied Manja Schaar und Vorstand Dinah Marte Golch organisierten Stammtisch kamen 15 Kolleginnen und man kann das Fazit schon jetzt vorwegnehmen: Es gibt großen Gesprächsbedarf und der nächste Autorinnen-Stammtisch soll bald folgen!

Hauptthema des Abends war die Frage nach dem Gender Pay Gap. Auch wenn keine der Anwesenden von einer genderspezifisch geringeren Gage innerhalb einer Produktion berichten konnte, so rückte  dennoch die enorme Diskrepanz beim Sonntag-Abend-Format der ARD erneut in den Fokus. Tatort- und Polizeiruf-Bücher stammten beispielsweise im Jahr 2018 lediglich zu 6,1% von Drehbuchautorinnen und 93,9% von männlichen Kollegen. Das Argument der RedakteurInnen, Autorinnen würden sich seltener dafür bewerben, gilt es nach wie vor zu verifizieren, da – so die Beobachtung - insbesondere die Sonntagabendformate mehrheitlich durch direkte Kontaktaufnahme durch Senderverantwortliche und ProduzentInnen und selten durch Stoffeinreichungen entstünden Also doch strukturelle Diskriminierung?

Es war der Wunsch aller Anwesenden, diesen Zahlen weiter auf den Grund zu gehen und eine paritätische Beschäftigung aller AutorInnen anzustreben, nicht nur, aber besonders bei den „Vorzeige-Formaten“. Wie wir dieses Thema weiterführen können, wurde sehr lebhaft und auch kontrovers diskutiert. In diesem Zusammenhang entstand auch bei einigen Autorinnen der Eindruck, dass viele Themen (Krimi, Thriller, Politik...) in erster Linie männlichen Autoren zugetraut und anvertraut werden.

Um mehr Zahlen und Informationen zum Thema Gender Pay Gap zu bekommen, ist es enorm wichtig, dass offen über die Erfahrungen mit Sendern und Produktionen gesprochen wird. Auch die Rücksprache mit der eigenen Agentur kann hilfreich sein, denn die hat einen Überblick, ob und wie Autorinnen womöglich benachteiligt werden. Über den Gendergesichstpunkt hinaus könnte so auch die Marktsituation von  AutorInnen unter dem Gesichstpunkt der Diversität beobachtet werden.

Gute Stimmung und intensive Gespräche beim ersten VDD Jour Spécial für Autorinnen. Foto: VDD.

Desweiteren wurde allgemein über die Arbeit des VDD gesprochen und der Wunsch kam auf, dass das Gender-Thema stärker im Verband vertreten wird – entweder über den Vorstand oder angesichts der Auslastung des Vorstands auch über eine AG.

Auch die Einladungspolitik für Meetings mit Sendern/Streamern wurde diskutiert, und der Vorschlag eines Mentorinnen-Programms kam kurz zur Sprache. Der Bereich Kinderfilme- und Serien wurde angesprochen und als unterbezahlt und unterrepräsentiert wahrgenommen. Entsprechend wurde auch über den Stand der GVR-Verhandlungen gesprochen. Der Wunsch nach einem diesbezüglichen Update wurde an das GVR-Team weitergeleitet.  

Am Ende stand noch das für alle wichtige Thema K18 auf der (sehr lockeren...) Tagesordnung. Hier waren sich schnell alle einig: Wir können nur gemeinsam etwas erreichen und sollten keinesfalls gegeneinander, sondern miteinander kämpfen!

In diesem Sinne freuen wir uns schon auf das nächste Treffen mit reger Beteiligung!

 

Herzlichen Dank an Manja Schaar und Vorstand Dinah Marte Golch für die Initiative und den Bericht vom Jour Spécial.