23. April 2019
 

Nachruf: Sylvia Leuker

Autor: VDD

Sylvia Leuker

 

Am 14. April 2019 verstarb viel zu früh unsere sehr geschätzte Kollegin und langjähriges VDD-Mitglied Sylvia Leuker.

1962 mitten in das Ruhrgebiet hinein geboren wuchs Sylvia eng entlang an den Sorgen und Träumen der Menschen aus dem Pott auf. Auch im kleinen Laden ihrer Eltern hatte sie Gelegenheit, den Geruch der Welt von Büdchen, Taubenzüchtern und ewig grauer Wäsche kennenzulernen und zu studieren. Vielleicht wurden damals die sensiblen Fühler für das Interesse am Gegenüber, auch an den sogenannten kleinen Leuten ausgebildet. Fühler, die sie ihr ganzes Leben nie wieder verlieren sollte.

Nach dem Abitur ließ sich Sylvia ausführlich unter anderem an der renommierten Münchner Journalistenschule ausbilden. Ihr Journalismusstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität schloss sie 1988 mit einem Diplom ab. Danach arbeitete Sie als Fernseh- und Hörfunkjournalistin, profilierte sich als Innenpolitische Journalistin beim gerade neu aufzubauenden Nachrichtenmagazin Focus.

Doch Stehenbleiben war das ihre nicht. So absolvierte sie nach ersten Drehbuchgehversuchen schließlich im siebten Jahrgang 1995-1996 die Drehbuchwerkstatt München. „Harte Brötchen“, ihr erster eigener 90-Minüter – bezeichnenderweise eine Komödie – holte auch gleich ihren ersten Lebenskosmos zurück. In dem von Tim Trageser inszenierten Drehbuch spielen Katharina Thalbach und Uwe Ochsenknecht wunderbare von ihr gezeichnete Figuren, die wie aus dem echten Leben zu kommen schienen und es wohl auch irgendwie waren. Ein erster Kreis schloss sich.

Es folgten viele Drehbücher fürs Fernsehen, immer wieder auch in Co-Autorenschaft mit ihrem Lebensgefährten Benedikt Röskau. Darunter so wichtige Filme wie „Die Frau des Schläfers“ oder „Die Auserwählten“. In Letzterem ging es um die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule. Hier kam Sylvia bei einer anfänglich schier unübersichtlichen Informationslage ihre journalistische Erfahrung in der Recherche zu gute, aber es trat eben auch ihr politisches Denken zu Tage. Film war für sie nie nur Konsumgut. Er sollte im besten Falle gesellschaftliche Wasser in die richtigen Flussbette bringen helfen. 
Auch im VDD war sie nie nur ein einfaches Mitglied – sie war im besten Sinne streitbar und brachte über viele, viele Jahre intensiv immer wieder wichtige Impulse in die politische Arbeit.

Sylvia Leuker war trotz ihrer schweren Krankheit aktiv bis zum Schluss. Im Mai wird mit „Leonhards Traum“ ihr Lebenspartner Benedikt Röskau ein Drehbuch inszenieren, in das sie noch mal all ihre Ideen stecken konnte. Eine Komödie übrigens. Weil im Leben vermutlich Lachen und Weinen dann doch immer nah zusammen stehen.

Wir drücken Benedikt Röskau und dem gemeinsamen Sohn im Namen all ihrer Angehörigen und Freunde unser tiefes Beileid aus.

Sylvia, du fehlst.

 

Der Vorstand des VDD im April 2019

 

Sylvia Leuker