4. Januar 2023
 

BATSCHKAPP & SCHLAPPHUT ein Nachruf auf Peter Zingler von Rolf Silber

Autor: VDD

Aus Anlass des Todes von Peter Zingler veröffentlichen wir hier einen persönlichen Text von unserem VDD-Mitglied, Drehbuchautor und Regisseur, Rolf Silber.

 

Wenn Frankfurter über Frankfurter schreiben, kann das auch mal daneben gehen. Würde Peter nicht gefallen, was ich jetzt über ihn schreibe, müsste ich ja nun leider keine Angst mehr haben, dass er mich dafür zu Rede stellt. Wobei: Von Peter Zingler zur Rede gestellt werden - ein unvergessliches Erlebnis. Gewesen. Vorbei jetzt, weil der Peter ist tot. Man will’s nicht glauben.

 

Dem deutschen Fernsehen und Film wird er jetzt fehlen. Manchen Leuten in der „Brangsche“ - solchen, die er zur Rede gestellt hat - natürlich nicht. Der Stadt, in der zu leben wir uns teilen, aber jedenfalls. Da konnte man ihn in erwartbaren und unerwartbaren Gegenden treffen. Der Mann mit erst der Batschkapp auf dem lichter werdenden Haupthaar und dann dem schwarzen Krempenhut, war jedenfalls ein Großereignis. Wo immer er oder es sich ereignete. Eines, dass einen dazu bringen konnte, begeistert oder entgeistert zu sein - je nach dem. Die pure Energie, die er emittierte, war jedenfalls für einen deutschen Autoren extrem atypisch.

 

Dass er Bienen… nein: Hornissen-fleißg war, kann man aus der Filmografie ablesen. Er hat so viel geschrieben, dass es für zwei Leben gereicht hätte, hatte aber - in der „Brangsche“ - ja eigentlich nur ein Halbes. In der ersten Hälfte war er, nach erfolgreicher Ausübung eines höchst justitiablen Berufes, in den Händen staatlicher Institutionen, die ihn dann früher als erwartet frei- und auf Film und TV losließen. Er hatte sich, fast wortwörtlich, freigeschrieben. Ab da schrieb er weiter. Berserkerisch. 

 

Ein Produzent, der mit ihm gearbeitet hat, beschreibt ihn als „kreativ, laut, witzig, dickköpfig, pragmatisch, schnell, interessant, überraschend“ und als jemand, der sich auch „Senderlingen“ gegenüber den Schneid nicht abkaufen ließ. Kurz: Wenn er jemanden gefressen hatte, dann hatte er ihn gefressen. Und sagte das dann auch gerne. Auch gerne mit erhöhter Phonzahl. Vor allem den von ihm wenig geliebten „Film-Gymnasiasten“ gegenüber.
 

 

Seine große Büroküche war der Ort, an dem man mit ihm über einen Stoff reden oder sich auch mal angehen konnte. Jedenfalls war er nicht der Autoren-Typus „Schildkröte“, der sich in seinem Gehäuse verpanzert. Aber mit der knurrigen Demut eines zur Vernunft sich wendenden Kampfhundes konnte er eben auch Knochen fressen, die ihm nicht schmeckten. Vielleicht auch deshalb, weil er innerlich schon längst wieder unterwegs war zum nächsten Stoff. Mensch, Peter, Du warst doch noch gar nicht ausgeschrieben, denke ich. Und ich wollte dich doch in meinem Film zu den Hunsrück-Räubern besetzen - natürlich als den „Schwarzen Peter“. Ja, gut, wäre nur eine Nebenrolle gewesen, aber ich hätte endlich einen gehabt, der sich glaubhaft Rottwelsch drauf schafft. 

 

Also: Schön, dass Du hier vorbeigeschaut hast. Es war ein Erlebnis. Hut ab!

 

Herzlichen Dank,  Rolf Silber, dass wir diese persönlichen Zeilen veröffentlichen dürfen!​